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Paralympischen Spirit nicht gefunden… 

Rund drei Wochen waren unsere vier Segler, drei Trainer und ihre Betreuer in Rio bei den Paralympischen Spielen. Im täglichen Gespräch mit den Seglern schien durch, dass sie vom Leben im Paralympischen Dorf und dem ganzen Drumherum 30 Kilometer entfernt im Hafen nichts mitbekommen haben.

Paras Team

„Wir haben einen Zehn-Stunden-Tag. Mit Vorbereitung, Reinkranen, Rennen, Rauskranen, Besprechung, Essen sind wir den ganzen Tag im Hafen und fallen dann erschöpft ins Hotelbett. Dass wir im Vergleich zu den Olympia-Seglern keinen Ruhetag haben, spüre ich schon. Es zehrt an einem“, erklärt Heiko Kröger.

„Es ist keine Beschwerde, schließlich wollen wir es so und haben es uns so ausgesucht. Die Volunteers im Hafen waren super nett und hilfsbereit, das Essen war lecker und wir freuen uns, mit den Helfern die obligatorischen Pins zu tauschen. Auch die Bewohner Rios haben uns immer Glück gewünscht, wenn sie uns auf der Straße gesehen. Das war wirklich eine gute Stimmung, die man empfangen hat.“

Auch Lasse Klötzing, für den es die ersten und gleichzeitig auch vorerst letzten Paralympischen Spiele waren, bedauert, nicht mehr mitbekommen zu haben: „Es war eigentlich eine Regatta wie jede anderen, weil wir auch hier nur am Hafen waren. Schade ist, dass wir es nur einmal ins Deutsche Haus geschafft haben. Außerdem hatten wir leider keine Zeit, uns noch andere Wettkämpfe anzuschauen – die Entfernungen sind zu groß, wir hatten keine Ruhetage und waren den ganzen Tag beschäftigt. Zur Abschlussfeier haben wir es auch nicht geschafft, weil wir unsere Container für den Rücktransport packen mussten und der Shuttle nur aus dem Paralympischen Dorf fährt.“

Den Paralympischen Spirit haben unsere Segler nicht wirklich gefunden…

„Der Wurm war diese Woche so tief drin, es hat nicht sollen sein.“ 

Unterschiedlicher können die Gefühlswelten der deutschen Segler nach den letzten Rennen bei den Paralympischen Spiele in Rio nicht sein: Lasse Klötzing, Steuermann des Sonar-Teams, ärgert sich über die eigenen, unnötigen Fehler, die ein besseres Endergebnis verhindert haben. Heiko Kröger hingegen war in seiner 2.4mR-Klasse auf Medaillenkurs, bis ihn eine Plastiktüte und eine unverständliche Juryentscheidung die dritte paralympische Medaille seiner Karriere kosteten.

Mit den richtigen Vorzeichen ist „Altmeister“ Heiko zu seinen fünften und letzten Paralympics nach Rio gereist. In den letzten vier Jahren stand unser 50-Jähriger bei allen Regatten immer auf dem Podium – nur beim letzten Weltcup in Südfrankreich Ende April wurde Heiko Fünfter. Mit zwei Weltmeister- und zwei Vizeweltmeistertiteln war ein Platz unter den Top Drei fest gebucht. Mit einem sechsten Platz beim Saisonhöhepunkt hatte wirklich niemand gerechnet.

Nach zehn von elf Rennen stand er dann da – ohne Medaille: „Ich war richtig gut unterwegs, habe geführt und die Rennen gewinnen können, um wieder auf die vorderen Plätze vorzurücken. Was dann passierte, passt in das Bild dieser Woche: Im ersten Rennen sog sich eine Plastiktüte am Kiel meines Bootes derartig fest, dass wir sie abkratzen mussten. Von 100 auf Null wurde ich ausgebremst. Ich dachte erst, es wäre eine Stromstrudel, bin dann zwei Wenden gefahren – nichts passiert. Dann habe ich das Boot gekrängt – nichts passiert. Da die Klassenregeln das Hinauslehnen aus dem Cockpit ja untersagen, habe ich das Feld dann souverän vor mir her getrieben und konnte erst nach dem Zieleinlauf mit Hilfe von meinem Co-Trainer Oli Freiheit die Plastiktüte entfernen“, resümierte Heiko mit einer gehörigen Portion Galgenhumor.

  • Zu Beginn der Regatta war noch alles im Rahmen für Heiko Kröger © Richard Langdon/Ocean Images
  • Ungewohntes Bild: Kein einziger Rennsieg für Heiko © Richard Langdon/Ocean Images
  • Das Sonar-Team mit Siggy Mainka, Jens Kroker und Lasse Klötzing mit einem soliden 6. Platz nach vier Monaten Training © Richard Langdon/Ocean Images

Im zweiten Rennen bestrafte ihn die Jury zusätzlich für einen angeblichen Regelverstoß: „Die Jury warf mir unerlaubtes Pumpen vor. Zu dem Zeitpunkt hatte ich 50 Meter Vorsprung auf meine Verfolger – ich war richtig schnell! Ich wurde noch nie wegen Pumpens geflaggt. Ich arbeite auf dem Vorwind immer mit dem Baumniederholer wie die Lasersegler und nach einer Halse pfiff mich dann die Jury an. Ich habe nur laut gelacht und mir meinen Teil gedacht“, schildert Heiko die zweite Situation. Das passte dann einfach ins Bild seiner medaillenlosen paralympischen Woche. „Die bitterste Erkenntnis ist, dass ich es nicht selbst in der Hand hatte, sondern mich Dritte eine mögliche Medaille gekostet haben. Der Wurm war diese Woche so tief drin, es hat nicht sollen sein.“

Lasse Klötzing, Jens Kroker und Siegmund Mainka griffen am Finaltag ein letztes Mal an und wollten im Idealfall noch eine Medaille gewinnen. Nach elf Rennen steht für das deutsche Trio der Sonar-Klasse ebenfalls Rang sechs. „Wir haben heute noch einmal alles gegeben und entsprechend unserer Möglichkeiten abgeliefert. Natürlich wäre eine Medaille schön gewesen, dafür hätten wir weniger Fehler machen müssen. Wir sind alles in allem zufrieden mit dem Ergebnis, gerade wenn man bedenkt, dass wir erst seit vier Monaten zusammen segeln“, fällt Steuermann Lasse Klötzing abschließend ein positives Feedback.

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